Darf die Schlafzimmertür ein Glaselement haben, damit der Gang tagsüber heller wird? Darf ich die Vorhänge im Schlafzimmer offen lassen, damit der Mond hereinscheinen kann? Darf ich vor dem Schlafen noch ein wenig im Internet surfen? Diese und ähnliche Fragen höre ich oft, und meine Antwort ist stets dieselbe: Ja – es sei denn, Sie wollen gut schlafen!

Licht im Schlafzimmer – keine gute Idee

Auch wenn wir in modernen Zeiten leben, werden wir von Instinkten und biologischen Abläufen gelenkt, die sich während der gesamten Evolution der Menschheit entwickelt und bewährt haben und tief in uns verankert sind. Etwa unser Bedürfnis nach einem geschützten Platz im Raum (eine feste Wand im Rücken, mit Türen und Fenster im Überblick). Oder unser innerer Rhythmus von Wachsein und Schlafen, der dem äußeren von Licht und Dunkelheit angepasst ist.

Gesunder, erholsamer Schlaf beginnt daher schon tagsüber. Da sollten wir ausreichend Tageslicht tanken, um das Hormon Serotonin zu aktivieren. Dieses hebt die Stimmung, macht munter und fördert die Leistungsfähigkeit. Nur wenn wir untertags richtig wach sind, können wir nachts auch richtig tief schlafen. Dabei ist ein halbstündiger Spaziergang bei bedecktem Himmel förderlicher (weil lichtintensiver) als ein ganzer Bürotag bei hellster Innenraumbeleuchtung.

Setzt gegen Abend die Dämmerung ein, verstärkt der Körper die Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin – und zwar um das Dreifache bei älteren Menschen bis zum Zwölffachen bei Jugendlichen (das Melatonin-Maximum wird gegen drei Uhr morgens erreicht). Wir werden schläfrig, und unser Organismus stimmt sich auf die Nachtruhe ein.

Künstliches Licht als Schlafstörer

Doch wie verhält es sich, wenn die Straßenlaterne, die Leuchtreklame oder das Licht aus gegenüberliegenden Gebäuden ins Zimmer scheint? Wenn der viel zu dünne Vorhang keine ausreichende Verdunkelung erzeugt? Wenn das Bett in einem fahlen Dämmerlicht liegt? Ja, dann wird es für Ihren Körper nie richtig Nacht!

(c) Zerbor / Fotolia.com

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Künstliches Licht hemmt die Melatonin-Produktion oder verschiebt sie zeitlich nach hinten. Die innere biologische Uhr gerät durcheinander, das Einschlafen wird erschwert, der Schlaf kürzer, flacher und weniger erholsam, das Munterwerden zur Qual. Und nicht nur, dass man den Tag unausgeschlafen beginnt, auch der Alterungsprozess wird beschleunigt…

Deshalb sollte allen Lichtquellen, die ins Schlafzimmer strahlen, der sprichwörtliche Riegel vorgeschoben werden: Lichtdichte Rollläden, extra angebrachte Verdunkelungsvorhänge, lichtundurchlässige Rollos in den Dachschrägenfenstern und eine massive Schlafzimmertür anstelle von Glaseinsätzen sind bewährte Abhilfen.

Doch auch der Radiowecker, das Standby-Lämpchen des Fernsehers oder das eingeschaltete Handy verschmutzen zusätzlich zu ihrer Funk- oder E-Smog-Belastung den Raum mit Kunstlicht. Werfen Sie daher alles raus, was Licht abstrahlt. Und wenn das nicht möglich ist, dann besorgen Sie sich eine gut sitzende, nicht drückende Schlafmaske.

Besonders ungünstig: Blaulicht

Tageslicht hat einen hohen Anteil an Blaulicht, während am Abend Gelb- und Rottöne bestimmend sind. In unserem Auge sitzen spezielle Nervenzellen (Rezeptoren), die nur dafür zuständig sind, blaues Licht zu erkennen. Trifft nun Licht mit einem hohen Blauanteil auf diese Rezeptoren, schaltet das Gehirn augenblicklich auf Tagbetrieb um (in der Natur kommt es ja nur morgens und tagsüber vor).

Künstliches Licht als Schlafstörer

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Welche Blaulichtquellen können unseren Schlaf stören? Alle, die wir auch abends im Betrieb haben. Also Bildschirme von Fernseher, Computer, Laptop, Smartphone, Tablet und E-Reader, aber auch moderne Leuchtkörper. Schon zehn Minuten vor dem schicken, LED-beleuchteten Badezimmerspiegel kann dazu führen, dass Sie putzmunter ins Bett gehen.

Beenden Sie daher rechtzeitig vor dem Zubettgehen die Arbeit, das Computerspielen und Facebook-Schauen und nutzen Sie den Abend besser zum Lesen oder für andere schöne Aktivitäten.

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