Die Berliner Philharmoniker müssen sich ab der kommenden Saison auf einiges gefasst machen: Für optimalen Klang und gelungene Interpretation der Musik sorgt dann nicht mehr nur der Dirigent, sondern auch die Platzierung der Musiker im Raum. Der soeben zum ersten Gastdirigenten berufene Japaner Koono Yo will künftig die Sitzordnung der Musiker nach Feng Shui gestalten! Man höre und staune …

Die Orchesteraufstellung hat durch die verschiedene räumliche Verteilung der einzelnen Instrumente einen großen Einfluss auf das Hörerlebnis und auf Klang, Durchsetzungskraft und Hörbarkeit der jeweiligen Stimme. Je nach Literatur können so etwa die Verschmelzung von einzelnen Stimmen oder “Zwiegespräche” gefördert werden. Es macht eben einen Unterschied, wo die Bass-Tuben sitzen und wo die Bratschen!

Durchgesetzt hat sich heute weltweit die sogenannte amerikanische Aufstellung; hier sitzen die ersten und zweiten Violinen nebeneinander. In der historischen Aufführungspraxis wird meist wieder in der deutschen Aufstellung gespielt, bei der die Violinen auf den entgegen gesetzten Seiten der Bühne sitzen.

Aber eine Orchesteraufstellung nach Feng Shui – wie soll das aussehen? Sitzen die Musiker irgendwie nach dem Bagua? Oder nach den Himmelsrichtungen?? Oder den persönlichen Kua-Zahlen? Oder folgen die Instrumente dem Fluß des Chi´s im Orchestergraben???

Wie Koono Yo der Presse gegenüber erläuterte, will er dabei vor allem „Aspekte der Harmonie und des Einklangs von Mensch und Natur“ betonen. Erreichen möchte er dies, indem die verschiedenen Instrumentengruppen wie Streicher, Bläser, Perkussion etc. künftig gemischt platziert und die Musiker immer paarweise zusammengesetzt werden. Erste Proben seien bereits sehr erfolgreich verlaufen, so der Dirigent.

„Aspekte der Harmonie“ und den „Einklang von Mensch und Natur“ zu berücksichtigen – schön und gut. Aber: Kann das nicht die Musik alleine auch machen – man denke an eine Mozart-Sinfonie oder Lieder von Gustav Mahler? Und wie steht es eigentlich mit demjenigen, der ureigens für das Werk „zuständig“ ist – dem Komponisten? Ist es wirklich notwendig, die akustischen (und somit energetischen) Vorgaben und Wünsche des Komponisten einfach willkürlich für ein zweifelhaftes „Rezept-Feng Shui“ umzuwerfen? Oder handelt es sich gar nur um einen Marketinggag?

Vielleicht darf man das alles aber auch gar nicht so eng sehen … Denn im Vergleich: Was muss Wolfgang Amadeus nicht heuer alles über sich ergehen lassen – auch das wird der zeitlosen Kraft seiner Musik nicht wirklich etwas anhaben können …