Was hat Mickey Mouse mit Feng Shui zu tun? Das Symbol amerikanischer Fast-Food-Kultur mit asiatischer Weisheit? Passt sehr wohl zusammen, meint Disney-Präsident Rober Iger …
Egal, ob Sie mit einstimmen in den Jubelchor oder sich entsetzt abwenden – Fact ist: Disneyland wird 50. Und wenn der Vorreiter und Pionier der verordneten Massen-Unterhaltungskultur ein halbes Jahrhundert feiert, dann natürlich mit Pauken und Trompeten. Zum Jubiläum wird in Kürze in Hongkong ein neuer Park eröffnet, es ist der fünfte.
Auf den richtet sich von Planungsbeginn an die Aufmerksamkeit der Disneyland-Gewaltigen. Aus gutem Grund: Seit dem finanziellen Desaster von EuroDisney in Paris ist der Unterhaltungsriese ziemlich angeschlagen, jedenfalls nicht mehr unverletzbar – und das sitzt tief. Und so ziehen die Disneyland-Verantwortlichen alle nur erdenklichen Register, um ja kein „zweites Paris” zu erleben und den neuen Hongkonger Park so lukrativ wie möglich zu gestalten. Dazu ist jedes Mittel recht, rein gar nichts soll rund um die Eröffnung des neuen Parks dem Zufall überlassen werden. Und so setzt das Disney-Präsidium in China auch auf Feng Shui und Zahlenmystik, auf sozusagen „lokale” Kultur und Tradition. Ob das gut gehen kann …?
- Der zentrale Festsaal misst exakt 888 Quadratmeter; schließlich ist 8 in China eine Glückszahl.
- In den Parkhäusern gibt es natürlich keinen vierten Stock – Achtung, Unglück!
- Das Eingangstor wurde noch um 12 Grad verschoben – ein Feng-Shui-Meister hatte den Disney-Mächtigen dadurch großen finanziellen Erfolg versprochen.
- Eröffnet wird Disneyland Hongkong am 12. September; erraten – auch das ist ein errechneter Glückstag.
Disney-Präsident Rober Iger argumentiert folgendermaßen: Der ur-amerikanische Unterhaltungsgigant habe nun endlich gelernt, kulturelle Unterschiede anzuerkennen.
Unter uns: Möglich wäre es doch auch ganz banal, dass Disney schlicht und ergreifend Erfolg haben möchte in Hongkong – und dort ginge das mit ausschließlich US-zentrierten Produkten ganz bestimmt nicht.
Wie auch immer: Auch punkto Essgewohnheiten stellt man sich auf das Gastland ein – in Hongkong-Disney wird es neben Burgern auch asiatische Küche geben. Eine eigene Park-Etikette soll gewährleisten, dass die chinesischen Besucher nicht vom Verhalten der Amerikaner geschockt sind – und umgekehrt; Stichworte: Rauchen in rauchfreien Zonen, Spucken etc.
Und falls es trotzdem schiefgehen sollte: Auch die Eröffnung des ersten Disneylands außerhalb von Los Angeles am 17. Juni 1955 glich einer Katastrophe: Der Strom fiel aus, es gab einen gigantischen Verkehrsstau, die Damen blieben mit ihren Absätzen im tags zuvor geteerten Boden kleben und statt der 6000 geladenen drängten sich 28.000 Gäste mit großteils gefälschten Tickets. Dem gigantischen Erfolg tat dies keinen Abbruch.
Wir werden jedenfalls die Eröffnung des “Feng-Shui-Disneylandes” im Auge behalten.